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Wenn wir uns mit unseren Träumen beschäftigen, helfen sie, uns besser zu verstehen. |
Klappentext
Das Träumen gehört zum Menschsein. Welche Bedeutung aber haben unsere Träume? Und warum ist es hilfreich, sich mit ihnen zu beschäftigen? »Die Auseinandersetzung mit Träumen ist eine spannende, überraschungsreiche Betätigung für alle Menschen, die mit sich selbst in Kontakt kommen wollen«, so Verena Kast. »Oft zeigen sie uns, wie wir auch sind, und nicht nur, wie wir gerne wären. Sie richten uns innerlich neu ein, so dass wir auch wieder neu ausgerichtet sind auf das Leben. Und gelegentlich sind sie auch numinos - träumen wir von Bildern oder von Geschichten, die uns lange begleiten und die uns in unserem Ringen um Sinn Wegmarken sein können.«
Dieses auch für Laien verständliche Standardwerk erklärt umfassend die faszinierende Welt der Träume.
Teil 1: Faszination Traum
Teil 2: Träume in der Analytischen Psychologie C.G. Jungs
Teil 3: Die schöpferische Kraft der Träume
Einleitung
Wenn man schläft, dann träumt man auch, man kann nichts dagegen tun. Meistens wollen wir auch gar nichts dagegen tun, denn Träume sind interessant und sie interessieren. Das Interesse an den Träumen ist groß und wächst in den letzten Jahren zunehmend: neue Traumjournale werden publiziert, Traumchat-Gruppen im Internet erfreuen sich großer Beliebtheit, und auch die Wissenschaft interessiert sich dafür: Die Neurowissenschaft-ler möchten herausfinden, was in unserem Gehirn vorgeht, wenn wir schlafen und wenn wir träumen, die psychologischen Traumforscher und Traumforscherinnen wollen wissen, ob Männer anders träumen als Frauen, ob wir im Alter mehr oder weniger träumen usw. Veranstaltungen, in denen man sich mit der Symbolik von Träumen und auch Mythen beschäftigt, sind gut besucht. Symbollexika werden immer wieder neu geschrieben und gekauft. Wie kann man dieses Interesse an den Träumen verstehen?
Seltsames ereignet sich im Menschen, während er schläft. Träume sind spannend, sind geheimnisvoll. Wir erwarten etwas von ihnen: Bestätigung, Anregung, Warnungen - so sagen Menschen, wenn man sie fragt, warum sie sich mit ihren Träumen beschäftigen wollen. Eine vage Sehnsucht soll Gestalt annehmen, Träume sollen den Weg weisen aus einer Bedrängnis heraus.
Für das neu entfachte Interesse an Träumen gibt es verschiedene Erklärungen: Wir haben im Leben nur noch wenig Orientierung, wir haben viel Freiheit, wir wollen aber unser Leben gut, richtig, glücklich leben - und die Hoffnung ist die, dass die Orientierung, wenn nicht aus äußeren Normen, dann aus den Träumen kommt. Das geschieht auch oft; aber diese Orientierung ist keine im Sinne von einfachen Regeln und ist auch keine, die billig zu haben ist. Sollen Träume uns Sinnerfahrung vermitteln, so können sie das nur, wenn wir immer wieder neu versuchen, ihre Bedeutung für unser gegenwärtiges Leben zu eruieren, wenn wir uns von den Bildern der Träume in unserer Imagination anregen lassen.

Träume, so sind die meisten Menschen überzeugt, tragen etwas bei zur Selbsterkenntnis, helfen im Umgang mit sich selbst, sie sind hilfreich - sogar dann, wenn sie sehr unangenehm sind. Träume und der Versuch, ihre Bedeutung zu erfassen, kann uns eine Erfahrung von Sinnhaftigkeit unseres Lebens geben. Sinn im Leben zu erleben ist ein Grundbedürfnis der Menschen. Es wäre fahrlässig, etwas, das zur Sinnstiftung beitragen kann wie die Träume, zu vernachlässigen.
In der Neurowissenschaft werden interessante Forschungen zum Thema des Träumens gemacht. In der Psychoanalyse Jung'scher Prägung spielen Träume, Imaginationen, archetypische Symbole eine große Rolle: sie werden als Wegmarken zur Konfliktbewältigung, aber auch zur Entwicklung der Persönlichkeit gesehen. Immer stehen Aspekte unserer Persönlichkeit aus - Themen, die auch gelebt werden könnten, werden vernachlässigt - und nicht selten machen uns die Träume darauf aufmerksam.
Können die Traumtheorien von C. G. Jung in Verbindung gebracht werden mit Ergebnissen der modernen Neurowissenschaft? Diese Traumtheorien stelle ich im Gespräch mit den Neurowissenschaften dar und zeige auf, welchen Einfluss die Theorie auch auf das Arbeiten mit Träumen hat, auch im Rahmen der Therapie.
Vor allem aber geht es mir in diesem Buch auch darum, dass wir zwar sehen, dass Träume, wenn wir uns mit ihnen beschäftigen, viel beitragen zur Selbsterkenntnis, auch sensibilisieren für das menschliche Zusammenleben, letztlich bleiben sie aber doch sehr geheimnisvoll, beschäftigen uns immer wieder, können immer nur partiell verstanden werden. Und vielleicht ist es gerade das, was sie für uns so interessant macht. Geheimnisse haben die Menschen schon immer interessiert, sie lassen uns nach Lösungen suchen.
Rezension von Ingrid Riedel
Wenn Verena Kast ein Thema aufgreift, das heute wieder aktuell und deshalb in vieler Munde ist, „Träume. Die geheimnisvolle Sprache des Unbewussten“, so ist es ihre Sache nicht, darüber nur etwas bereits Bekanntes zu sagen. Ihr neues Buch bietet auch denen, die mit Jungscher Traumdeutung vertraut sind, durchaus Überraschendes. Wem unter uns wäre zum Beispiel bisher aufgefallen, dass es bei Jung eine doppelte Traumtheorie gibt, im Grunde genommen zwei Traumtheorien?
Neben Jungs Theorie der Träume als Kompensation der bewussten Haltung aber existiert, das arbeitet Kast klar heraus, bei ihm eine weitere Traumtheorie, die von den Komplexen als Verursacher der Träume ausgeht, insofern sich für ihn die Komplexe als „die handelnden Personen unserer Träume“ darstellen und somit wie personifiziert in den Träumen auftreten.
Als ausgewiesene Erforscherin der Komplexe mit ihrer zentralen Bedeutung in der Jungschen Psychologie und Psychotherapie erhellt Kast vor allem die Verbindungen zwischen Komplex, Emotion, Symbol und Traum. So sei es die leitende Emotion eines Traumes, die auf den zugrundeliegenden Komplex hinweise.
Im Zusammenhang mit der bisher bekannteren Jungschen Traumtheorie, der möglichen Kompensation einer einseitigen bewussten Einstellung z.B. durch archetypische Traumbilder, belegt Kast das Jungsche Konzept der Archetypen auch durch das neurowissenschaftliche der „handlungsleitenden inneren Bilder“, wie es Gerald Hüther vertritt. Der durchgehende Dialog mit der neurowissenschaftlichen Traumforschung gehört zu den besonderen Vorzügen dieses Buches, die es meines Wissens bisher mit keiner Veröffentlichung zur Jungschen Traumtheorie teilt: So vermittelt Kast zum Beispiel die Hypothese des Psychiaters und Neurowissenschaftlers Ernest Hartmann, nach der Träume vor allem neue Verbindungen im Gehirn herzustellen vermögen, mehr als im Wachbewusstsein möglich, so dass Träume „hyperconnective“ sind, wodurch sogar Traumata „verträumt“ werden können ; auch im Blick auf den Trauerprozess und die Regulation von Emotionen überhaupt, erscheint die Hypothese Hartmanns als äusserst relevant.
Für alle, die mit Träumen arbeiten, kann der dritte Teil des Buches eine Fundgrube von Anregungen für einen schöpferischen Umgang mit Träumen sein. Kast betont besonders die natürliche Verbindung zwischen Imagination und Traum und deren Kombinierbarkeit beim therapeutischen Ausschöpfen des Traumes. Ob im Umgang mit Initial- oder mit Alpträumen, mit Übertragungsträumen oder auch mit archetypischen Träumen: das Wahrnehmen und schöpferische Ausfantasieren von Symbolen erweist sich immer neu als Zugang zu den heilenden Kräften, die der Traum erschliesst.
Verena Kasts neues Buch, nüchtern und konzentriert geschrieben, jeder Mystifizierung des Träumens abhold, erweist sich gleichwohl als inspirierend. Es sagt nicht alles das über Träume, was man heute schon wissen kann, sondern das, was man bisher vermisste, und was deshalb überraschende neue Perspektiven zum Verständnis der Träume eröffnet..
Ingrid Riedel