
"Unter dem Schatten eines Menschen verstehen wir jene Persönlichkeitszüge, die auf gar keinen Fall offen vor der Welt daliegen und geschehen sollen. Tun sie es doch, verliert der Betreffende zumindest vorübergehend das Gesicht, was für die meisten Menschen mit Scham und Angst verbunden ist." ...
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Persona und Schatten |
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Die Funktion der Persona |
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Die Sozialisation der Persona |
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Die geschönte Existenz und der Schatten |
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Der Schatten |
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Der Schatten der anderen Menschen ist interessant |
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Der eigene Schatten ist lästig |
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Abwehr des Schattens |
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Der Doppelgänger |
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Schattenschwestern/Schattenbrüder |
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Vom Umgang mit dem alltäglichen Schatten |
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Ertappt bei schattenhaftem Verhalten |
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Die Schattenverschreibung |
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Die «Man-Persona», der «Man-Schatten» |
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Der Schatten als das Fremde |
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Das Fremde als das Faszinierende |
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Das Fremde als das Unheimliche |
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Der Schatten als die Fremden |
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Sind wir uns denn so fremd? |
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Der kollektive Schatten |
62 |
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Das Böse |
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Der kollektive Schatten und die Frage nach |
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einer neuen Ethik |
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Der kollektive Schatten |
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Eine neue Ethik? |
75 |
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Modelle für Schattenakzeptanz |
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Schattenakzeptanz im Mythos |
84 |
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Schattenakzeptanz im Märchen |
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Die Akzeptanz eines komplementären Schattens |
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über Entwicklung |
109 |
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Der Kampf mit dem Schatten: |
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Gilgamesh und Enkidu |
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Schattenkampf - Konfliktfreundschaft |
120 |
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Die Akzeptanz von Schatten |
124 |
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Der komplementäre Schatten: die unbekannte Seite |
124 |
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Die Akzeptanz des analogen Schattens |
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durch Kampf |
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Was die Akzeptanz des Schattens erschwert |
130 |
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Lieber sterben als das Gesicht verlieren |
130 |
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Das Schattenkonglomerat |
136 |
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Schatten in der Beziehung |
143 |
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Den Schatten vom anderen «verdauen lassen» |
144 |
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Die Delegation des Schattens |
148 |
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Der «gemeinsame» Schatten ist bedeutender |
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als der «einsame» |
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Der Schatten der Beziehungsideale |
153 |
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Der Familienschatten |
156 |
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Die Sprengkraft des Schattens |
160 |
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Die verschatteten Frauen |
163 |
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Schlußwort |
166 |
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Dank |
169 |
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Anhang |
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Anmerkungen |
173 |
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Literatur |
179 |
Der Schatten umfaßt nicht nur unseren persönlichen Schatten, und damit ist er nicht nur unsere persönliche Angelegenheit. Schatten gibt es in allen Beziehungen, in denen wir leben, in den individuellen und in den kollektiven. Wir sind aber dort verantwortlich dafür, wo er unser Leben berührt, auf unsere Beziehungen einwirkt. Wir werden uns auch nicht ständig mit all diesen Schatten beschäftigen, sondern nur dann, wenn der Schatten konstelliert ist, wenn er stört, wenn er fehlt oder wenn wir so unumstößliche Projektionen machen und dadurch so sehr leiden, daß die Welt schrecklich geworden ist. Dann ist Schattenakzeptanz gefragt.
Schattenakzeptanz bringt auf der individuellen Ebene Frieden mit sich selbst: Ich akzeptiere meine Begrenztheit, ich weiß, ich bin mir selber immer für eine Überraschung gut, auch für eine unangenehme. Wenn wir unsere Begrenztheit akzeptieren, so heißt das nicht, daß wir nicht unsere Grenzen ausschreiten und gelegentlich auch verantwortlich überschreiten sollen. Psychologisch gesehen, geht es bei der Schattenakzeptanz um mehr Echtheit, um Authentizität, und darum, daß wir nicht die anderen Menschen für das verantwortlich machen, was in unserer Verantwortung liegt.
Schattenakzeptanz wäre einfacher, wenn wir in unserer Sozialisation lernen würden, mit den verschiedenen Ängsten umzugehen, sie als sinnvoll zu sehen, offen darüber zu sprechen und dadurch auch neue Strategien zu ihrer Bewältigung zu erwerben. Man kann sich so ängstigen vor dem Offenbarwerden des Schattens, daß man sich töten muß, man kann sich allerdings auch so wenig ängstigen vor dem Schatten, daß er einen umbringt. Schattenakzeptanz führt zu einer Reduktion von Lebensangst, wir sind uns selber und den anderen gegenüber realistischer, auch weniger narzißtisch, gewöhnlicher -und das entlastet. Schattenakzeptanz bedeutet zu akzeptieren, daß wir uns wandeln, daß sich das Bild von uns selbst immer wieder wandelt, durchaus auf mehr Lebensmöglichkeiten hin.
Schattenakzeptanz bringt aber auch ein Mehr an Verantwortlichkeit. Wir können nicht mehr einfach «das Böse» verantwortlich machen oder die Bösen, wir müssen uns immer auch die Frage stellen, wo wir selber destruktiv handeln und denken und wie wir damit umgehen. Selbstverständlich begegnen uns auch andere Menschen destruktiv, ohne daß wir Projektionen machen, und da werden wir uns auch aggressiv dagegen verwahren. Da aber, wo wir selber Destruktivität produzieren, da ist jeder und jede aufgerufen, soweit als möglich Abhilfe zu schaffen.
Konflikte in Beziehungen werden offensichtlicher, wenn wir den Schatten akzeptieren, dadurch werden Beziehungen aber auch reicher, und wir haben die Möglichkeit, eine konstruktive Streitkultur zu entwickeln.
Gesellschaftlich gesehen, steht der Schatten in einem Zusammenhang mit dem Wandel der Ideale und der Werte. Das Ausgesparte wird immer wieder, besonders von der Jugend, hereingebracht und verändert das Gewohnte. Projiziert die Gesellschaft das «Man», den Schatten auf Außenseiter und Fremde, dann verändert sie sich nicht, es entsteht aber ein Feindbild, und es entstehen auch Feinde, denen angelastet wird, daß nichts mehr in Bewegung ist. Wir sollten den jeweiligen Jugendlichen einer Gesellschaft dankbar sein, daß sie den Schatten der Zeit aufzeigen, und wir sollten ihnen in unserem Umgang mit unserem Schatten auch aufzeigen, daß man verantwortlich mit Schatten umgehen soll und kann. Es ist gefährlich, sich keinen Schatten zu erlauben, es ist auch gefährlich, sich allen Schatten zu erlauben.
Grundsätzlich wichtig ist es, daß dieses Konzept vom Schatten, von der Schattensensibilität und von der Schattenakzeptanz nicht nur von Tiefenpsychologen und Tiefenpsychologinnen gekannt und geschätzt wird. Es ist ein Konzept, das in den Alltag der Menschen gehört, es ist eine Art von Denken, das uns allen geläufig werden muß. Zwar ist der Ausdruck «Schatten» bereits sehr bekannt und verbreitet - aber die Konsequenzen davon, sind sie es auch?
Wir dürfen nicht hinter Kant zurückfallen in die Praxis der mittelalterlichen Teufels- und Hexenprojektionen, es ist ein großes Potential im Schatten, auch wenn er uns natürlich sehr lästig ist. Um Kant etwas abzuwandeln: Der Schatten ist immer im Menschen als latente Möglichkeit vorhanden, und wir tragen unwiderruflich Verantwortung für unseren persönlichen Schatten und unseren Anteil an der Verantwortung für den kollektiven Schatten und damit auch für die Zukunft von uns selbst und der Welt.
Je mehr wir uns anderen gegenüber ins gute Licht rücken, um so mehr Seiten, die ebenfalls zu uns gehören, unterdrücken wir. Eine gute soziale Anpassung - eine gute Persona - ist hilfreich, solange wir wissen, daß wir damit nur einen Teil unserer Persönlichkeit leben. Der andere Teil - Unakzeptables für uns und die Gesellschaft, ungelebte Begabungen und zerstörerische Tendenzen -findet sich im Schatten. Kennen wir ihn nicht, projizieren wir ihn auf andere und bekämpfen ihn dort. Daher ist es für jeden und jede von uns lebenswichtig, auch mit diesem Teil unserer Persönlichkeit umgehen zu können. Das macht uns weniger «gut», dafür aber lebendiger, menschlicher und toleranter.
Für die Schattenseiten anderer Menschen zeigen wir Interesse, die eigenen dagegen wollen wir nicht wahrhaben. Sehr zu unserem Nachteil, denn mit unserem Schatten unterdrücken wir auch ein großes Potential an Lebensmöglichkeiten. Verena Kast eröffnet uns den Zugang zur unbequemen zweiten Hälfte von uns selbst.