Langeweile / Interesse

Vom Interesse und dem Sinn der Langeweile

Was hat es mit Phänomenen wie Interesse und Lange-weile auf sich? Verena Kast beschreibt anschaulich in diesem Buch die funda-mentale Beduetung dieser Grundemotionen für unsere Psyche und zeigt, wie wir sie als Lebenselexier entdecken können.

Klappentext

Wen faszinieren nicht jene Menschen, die sich mit ganzer Leidenschaft und mit uneingeschränktem Interesse einer Sache hingeben? Die Grundemotion Interesse mit ihrer ganzen Tragweite für unsere Psyche steht im Zentrum dieses neuen Buches von Verena Käst Was ist Interesse und was hat es mit der Bindung an unsere Eltern zu tun? Wie entsteht es, wie erlischt es und wann kommt der Gegenpol, die Langeweile, ins Spiel?

Gerade die Langeweile, ein in unserer Erlebnisgesellschaft in hohem Maß tabuisiertes Cefühl, ist eine unserer produktivsten Emotionen, so die These von Verena Kast. Denn sie gibt uns die Chance — lassen wir uns auf sie ein — unsere wirklichen, unsere innersten Interessen aufzuspüren und somit Zugang zu finden zu unserer Lebendigkeit.

Einleitung

Ein wirkliches Interesse ist ein wahres Lebenselixier. Ergreift uns ein Interesse, fühlen wir uns belebt, animiert, motiviert, ihm nachzugehen und auch nachzugeben. Sind wir Menschen doch von Natur aus neugierig, gierig auf Neues, noch nicht Bekanntes, noch nicht Verstandenes, immer auf der Suche nach etwas, das eine angenehme Erregung, aber auch Veränderung verspricht. Vielleicht auch auf der Suche nach etwas, aus dem dann ein Interesse werden könnte. Die Neugier allein reicht nicht aus, kann aber den Zugang schaffen zu etwas, das uns dann wirklich mit einem Interesse erfüllt, uns nachhaltig zu interessieren vermag. Das Interesse ist eine ganz besondere Emotion: Interessieren wir uns für etwas, dann sind wir nicht nur sachbezogen, vielleicht an einer Arbeit interessiert, sondern wir sind auch mit unserer ganzen Person dabei. Unsere Außenwelt und unsere Innenwelt spielen zusammen, und das bewirkt, daß wir uns lebendig fühlen, vitalisiert, daß wir uns selber in einem hohen Maße spüren, uns gegenwärtig sind, etwas ausprobieren, von dem wir überzeugt sind, daß es mit uns selbst etwas zu tun hat. Wir engagieren uns. Ganz besonders erlebbar ist das bei einem leidenschaftlichen Interesse.

Wie aber entsteht ein solches Interesse, was stört dieses Interesse, wie kann man lernen, sich zu interessieren? Über diese und viele andere Fragen wird in diesem Buch nachgedacht.

Denn: fehlt das Interesse, dann müssen wir Menschen diese Lebendigkeit, die durch ein sich Interessieren entsteht, ersetzen durch Situationen, die uns erregen, und da die Erregung nicht nachhaltig ist, müssen es immer aufregendere Lebenssituationen sein, die gesucht werden, die ihrerseits ganz rasch wieder zur Gewohnheit werden, und gerade den Kitzel, den sie eigentlich bringen sollten, nicht mehr bringen.

Aber warum suchen wir — und das ist heute durchaus ein gesell­schaftliches Problem geworden —, immer größere Aufregungen?

Wir wollen der Langeweile entgehen. Die Langeweile, ein Gefühl der Leere, der Öde, keine Lust, zu nichts, ein Überdruß statt dessen, sie ängstigt uns, dies wollen wir vermeiden. Kommt die Langeweile auf, spricht uns nichts an, weder in der Welt noch in unseren Gefühlen und Gedanken. Die Langeweile kann man sich zwar mit Kurzweil vertreiben, eine aufwendige Angelegen­heit, oder aber man kann die Langeweile als eine Emotion verstehen, die uns zwingt, inne zu halten, uns neu auf uns selbst zu besinnen und uns wahrzunehmen. Gerade wenn man sich auf die Langweile konzentriert, schälen sich die Interessen heraus, denen zu folgen uns wieder neu belebt.

Schlußbemerkung

In der Langeweile verlangen wir etwas vom Leben, was wir in dem gegebenen Zeitpunkt nicht bekommen oder herstellen können. Je quälender die Langeweile ist, desto scheint es den Menschen nach etwas Absolutem zu verlangen, nach etwas ganz Besonderem. Etwas Absolutes, das im menschlichen Alltag erlebbar ist, ist die Erfahrung von Intensität, die wir in der Leidenschaft, in den leidenschaftlichen Interessen finden können. Im Erfahren der Intensität ist Sinnerfahrung enthalten, die die Sinnkrise, die mit der Langeweile verbunden ist, zumindest immer wieder vorübergehend aufheben könnte.

Dieser ressourcenorientierte Ansatz negiert die Langeweile nicht, auch nicht in ihrer Qual, aber er sieht sie als eine Emotion, die geradezu das Gegenteil herausfordert: die Fülle des Lebens. Es gibt nicht nur die Langeweile, es gibt nicht nur den Lebensüberdruß, es gibt auch die Lebensleidenschaft, und viele Emotionen dazwischen. Lebensleidenschaft statt Aktionismus — das ist nicht nur ein utopischer Vorschlag für Menschen, die an Langeweile leiden, sondern auch für unsere Gesellschaft als ganze.

Inhalt

Einleitung

9

Interesse

11

Wofür interessieren Sie sich im Moment am meisten?

13

Der Wirkkreis des Interesses

15

Das Emotionsfeld Interesse

18

Neugier

20

Langeweile

22

Die Sozialisation von Neugier und Interesse

24

Bindungstheorie

31

Sichere Bindung

32

Voraussetzungen fiir eine sichere Bindung

35

Eigene Interessen — geforderte Interessen

39

Geteilte Interessen

44

Das Interesse an sich selbst

47

Die narzißtische Störung

50

Anmerkungen zur Therapie bei fehlendem Interesse

an sich selbst

55

Interesse und Komplexe

58

Komplexe

58

Genese der Komplexe

59

Die Wirkung eines Komplexes

60

Noch ein Komplex: »Es ist nie gut genug«

63

Die Komplexkonstellation hinter der Problematik

65

Komplexe strukturieren unsere Interessen

69

Spezifische Komplexepisoden steuern spezifische Interessen

71

Großkomplexe haben Einfluß auf die Richtung von Interessen

73

Das Ausphantasieren der Komplexe

75

Klinisches Beispiel

77

Phantasie und Interesse

78

Phantasien des Besseren

80

Befürchtungsphantasien

81

Phantasien als Kompensation

83

Vorgriffe der Einbildungskraft

83

Narzißmus und Imagination

86

Vom Aufrechterhalten der Intensität der Interessen

88

Der Pvhythmus des Interesses

89

Umgehen mit Enttäuschung

90

Sich interessieren lernen

96

Interesse in Beziehungen

101

Wie wird aus Kontakt Beziehung?

102

Interesse aufrechterhalten in einer Beziehung

111

Die handfesten Interessen

117

Öffentliches Interesse

120

Das Unbehagen an den handfesten Interessen

121

Die Neugier

124

Neugierlizenz — Neugierverbot

127

Verbote töten die Neugier, können diese aber auch wecken

127

Verfallsformen der Neugier

129

Neugier verweilt bei den anderen, nicht bei sich selbst

130

Die unersättliche Neugier

132

Neugier als Abwehr von Langeweile

135

Die Langeweile

139

Die banale Langeweile

141

Quellen der Langeweile

144

Die existentielle Langeweile

148

Monotonie und Wiederholung

150

Blockierte Zukunft

152

Langeweile als gesellschaftliches Problem

154

Vom praktischen Umgang mit der Langeweile

159

Die Suche nach der Intensität

170

Was meint man mit Leidenschaft?

170

Leidenschaft ist dialogisch

172

Emotionen, die der Leidenschaft zugrunde liegen

174

Inspiration

174

Die Ambivalenz gegenüber den Leidenschaften

175

Angst vor dem Kontrollverlust

176

Die Ziele der Leidenschaften sind nicht einfach gut

178

Verfallsformen der Leidenschaft

179

Geliehene Leidenschaften

180

Das Ich kann der Leidenschaft abhanden kommen

182

Plädoyer für Lebensleidenschaft

184

Noch einmal: Leidenschaft zum Lebendigen

186

Begeisterung und Freude

188

Schlußbemerkung

191

Dank

192

Anmerkungen

193

Literatur

197

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